Von den Anfängen der Schützenbruderschaft

Im Mittelalter haben Bruderschaften auf vielfache Weise das kirchliche und soziale Leben geprägt. Das Gründungsjahr wird mit 1383 angegeben, doch hat diese Schützenvereinigung wohl schon vor diesem Datum bestanden. Pfarrer Joseph Koch schreibt 1883 in seinem Buch „Beyenburg-Steinhaus“, dass die Bruderschaft bereits 1366 in einer Urkunde (sie ist leider verloren gegangen) erwähnt würde. Wie ist dies zu erklären?

Bereits zwischen dem 12. und dem Ende des 14. Jh. existierten im Land zahlreiche Schützenverbände, die der Landesherr zum Schutze seines Territoriums
förderte. Diese Schützenvereinigungen wurden im 14. Jh. fast alle in kirchliche Bruderschaften umgewandelt. Sie folgten nun vor allem kirchlichen und sozialen Zielen. So scheint es auch bei der Beyenburger Schützenbruderschaft geschehen zu sein. Eine Gründungsurkunde als solche liegt uns leider nicht
mehr vor. Doch existieren andere Quellen, welche das Gründungsjahr 1383 bestätigen:
1. Noch zu Beginn der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts existierte eine Abschrift der alten Bruderschaftsrolle aus dem Jahre 1728. Sie trug die
Überschrift „Regula seu Constitutio antiquissimae confraternitatis s. Katharinae et Annae, instituta anno 1383“, also „Regel und Verfassung der uralten
Bruderschaft der hl. Katharina und Anna, errichtet im Jahre 1383“ Der Schreiber dieser Rolle war ein Kreuzbruder des Klosters, der 1728 hinzufügte:
„facit hoc anno 1728 – 345“, d.h., „macht in diesem Jahr 1728 – 345 (Jahre)“. Leider ist diese Abschrift während der NS-Diktatur verschwunden.
2. Ebenfalls im Original nicht mehr greifbar, ist eine Urkunde des Priors von Birka aus dem Jahre 1572, worin er bezeugte, dass die Bruderschaft über 188 Jahre bestehe. Auch diese Akte, 1930 noch vorhanden, ging während der NS-Zeit verloren.
3. Glücklicherweise befindet sich im Archiv zu Beyenburg eine weitere Abschrift der Bruderschaftsrolle aus dem 18. Jh. Der uns vorliegende Text enthält u.a. eine Bestätigung der alten Regeln und Bräuche der Bruderschaft. Diese Bestätigung geschieht durch den Kölner Erzbischof Dietrich von Wied, und ist um das Jahr 1517 niedergeschrieben worden.
Darin heißt es in der 10. Regel: “Die Jenige so sich in diese Löbliche alte (!) Bruderschaft einschreiben lassen,....“, und in Regel 14 lautet es: „Derselbe soll nach Altem (!) Brauch.....“. Dies bedeutet, dass die Bruderschaft bereits um 1517 als „alt“ bezeichnet wird und sie in dieser Zeit durch den Erzbischof nur erneut anerkannt und bestätigt wird.

1964 wurde das Archiv der Pfarrgemeinde geordnet und katalogisiert. Die ältesten Archivurkunden betreffen unsere Bruderschaft. Sie handeln über Grundstücke und an die Bruderschaft zu zahlende Renten, z.B. aus dem Jahr 1522. Aus dem Archivbestand ersehen wir, dass es ursprünglich wohl zwei Bruderschaften gegeben hat, die der hl. Anna (1522 erstmals erwähnt) und die der hl. Katharina. Obwohl in der Abschrift der alten Rolle um 1517 nur von der Bruderschaft die Rede ist. Unterlagen aus dem Jahre 1640 führen bereits den Titel “St. Annae et Katharinae“. Noch verwirrender ist die Tatsache, dass unsere Bruderschaft um die Mitte des 19. Jh. Kreuzbrüderschaft genannt wird, was deutlich auf ihre Beziehung zum Orden vom Hl. Kreuz hinweist. Da Vieles aktenmäßig nicht mehr nachzuvollziehen ist, wird die genaue Ursprungsgeschichte der Bruderschaft wohl weiterhin im Dunkeln verbleiben.
Sicher ist, dass die Bruderschaft (Bruderschaften?) Ende des 14. Jh. unter der geistlichen Obhut des Kreuzbrüderordens bestand. Sie galt, laut ihrer Regel, als Partizipant des Ordens und hatte an allen Gnadengaben, die dieser Orden erwirkte, teil. Der Orden kannte, wie andere auch, verschiedene Stufen eer Zugehörigkeit, wobei die der Partizipanten eine der niedrigsten Stufe bildete. Wie bereits anfänglich erwähnt, waren die Bruderschaften eine Stütze der sozialen Ordnung und förderten durch ihr Tun das Gemeinwohl in Kirche und Gesellschaft.

Aus der Bruderschaftsrolle erfahren wir, dass die hiesige Vereinigung u.a. für den Unterhalt der Kerzen in der Pfarrkirche zu Steinhaus verantwortlich war. Des Weiteren bildeten das Begräbnis der Verstorbenen, welches in Pestzeiten lebensgefährlich war, und das Gebet für die Toten einen Schwerpunkt im Leben der Bruderschaft.

Die Patronate der hl. Anna und Katharina lassen auf noch weitere soziale Dienste schließen, die aber leider nicht belegt sind. Der dritte Schutzheilige der Bruderschaft, der hl. Sebastian, galt allgemein als Schutzpatron der Schützen. Des Gleichen wurde er als Pestheiliger verehrt. Dies läßt vermuten, dass die Brüder und Schwestern der Bruderschaft auch bei der Pflege und Versorgung der Pestkranken, oder überhaupt Kranker, geholfen haben.
Viele Fragen bleiben unbeantwortet! Jedenfalls ist sicher, dass die Bruderschaft St. Annae et Katharinae sehr eng mit unserem Pfarrleben und dem Kreuzherrenkloster verbunden gewesen war und noch ist.
Präses Pater G. P. Vos OSC schrieb anlässlich des 600-jährigen Jubiläums 1983: „Das kirchliche Leben war eng verflochten mit unserer Bruderschaft. So ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Jahrhunderte lang hat die Bruderschaft unser Pfarrleben geprägt, und bildete die Basis für eine christliche Gemeinschaft! Tradition wird geübt; die Gegenwart lebt von der Vergangenheit und baut darauf auf. Aber das Geistliche steht doch im Vordergrund. Dafür sind wir dankbar. Beyenburg und Schützenbruderschaft gehören zusammen.“